Mirobiologie

Infektionsdiagnostik

Ausgangspunkt für eine Infektionsdiagnostik ist der kranke Patient. Die Fragestellung an das Labor ist daher im folgenden nach klinischen Gesichtspunkten geordnet:

  1. Es wird eine spezifische Infektionserkrankung/Infektion vermutet: die unten folgende tabellarische Liste gibt Aufschluss über die entsprechenden Erreger und die geeigneten Untersuchungsmaterialien.
  2. Es wird eine unspezifische Organinfektion vermutet: die unten folgende tabellarische Liste gibt Aufschluss über das entsprechende Erregerspektrum und die geeigneten Untersuchungsmaterialien:

Aus A und B ergeben sich folgende Möglichkeiten für das Aufspüren der Erreger. Die Wege können ergänzend, alternativ oder jeweils ausschließlich begangen werden:

  1. Die Identifizierung des Erregers gelingt über die Anzüchtung. Zu beachten ist: Die Anzüchtung des Erregers gelingt nur bei lebensfähigen Keimen. Prinzipiell können nur Bakterien (mit Einschränkungen) und Pilze (mit Einschränkungen) angezüchtet werden. Viren, Chlamydien, Mykoplasmen (Ausnahme Ureaplasma urealyticum) können bzw. werden nicht angezüchtet. Die Anzüchtung erfordert Zeit. Schnellstenfalls unter günstigsten Verhältnissen werden 24 Std. benötigt, in der Regel sind 2 - 3 Tage notwendig, in bestimmten Fällen sogar 8 Tage (Pilze, Actinomyceten) oder länger bis zu 8 Wochen (Mykobakterien). Ein vorläufiges Teilergebnis kann die Mikroskopie des gefärbten bzw. aufbereiteten Materials liefern.
    Entscheidender Vorteil der Erregeranzüchtung ist die Möglichkeit der Resistenzprüfung (Antibiogramm, Antimykogramm). Auch diese Untersuchung benötigt in der Regel 24 Std. (Anaerobier 48 Std.) Eine "Schnellresistenz" mit vorläufiger orientierender Aussage kann durch modifizierten Ansatz mit verkürzter Inkubation in vielen Fällen bereits in 6 Std. erzielt werden.
     
  2. Eine Identifizierung bzw. der Nachweis von Erregern kann auch über den direkten Antigennachweis gelingen: die unten folgende Liste ist aufgeschlüsselt nach Antigen/Erreger und dem geforderten Untersuchungsmaterial mit Hinweis zur Probengewinnung. Der Antigennachweis erfasst auch abgestorbene Erreger, also auch nicht virulente Keime. Bei entsprechender Planung ist das Ergebnis innerhalb eines Tages verfügbar.
    Leider steht zur Zeit nur eine eingeschränkte Vielfalt von Antigennachweisen zur Verfügung. Die Teste sind aufwendig und erfordern in einigen Fällen spezielle Entnahmetechniken.
     
  3. Der Nachweis einer Infektion gelingt nur/auch über den Nachweis spezifischer Antikörper. Es handelt sich hierbei um den immunologischen Teil der Infektionsdiagnostik, d.h. Antikörper werden aus dem Serum (ggf. Liquor) bestimmt. Zur Bildung von Antikörpern ist immer eine Auseinandersetzung des Organismus mit dem Erreger Voraussetzung. Nach frühestens einer Woche bis zu mehreren Wochen nach Infektion ist mit einem positiven Nachweis zu rechnen. Das Testspektrum ist eingeschränkt.
    In vielen Fällen ergänzen sich mehrere Methoden für einen Erreger, sodass günstigstenfalls unterschieden werden kann zwischen: noch Empfänglichkeit, Erstinfektion frisch, Boosterinfektion, Durchseuchung und Immunität. In anderen Fällen gibt nur der Titerverlauf, bzw. Titeranstieg Aufschluss über eine Infektion.
    Ist die Anzüchtung eines Erregers (Bakterien, Pilz) gelungen, erfolgt neben der Identifizierung die Überprüfung des Resistenzverhaltens (Antibiogramm/Antimykogramm).
    Üblicherweise kommt der Agardiffusionstest nach CLSI zur Anwendung. In speziellen Fällen (z.B. bakterielle Endokarditis) werden zusätzlich MHK-Bestimmungen (Einzelsubstanzen und Kombinationstherapie) durchgeführt.
    Die Testergebnisse werden gutachterlich kommentiert. Prinzipiell erfolgt die Auswahl der getesteten Antibiotika in jedem Fall unter Berücksichtigung von Spezimen und Erregerart. Fehlt bei kombinierten Antibiogrammen mit mehreren Keimen die Beurteilung eines aufgeführten Antibiotikums, so ist dieses als unwirksam anzusehen.
    Wegen der fast unüberschaubaren Vielzahl von Handelspräparaten werden im Ergebnisprotokoll nur die chemischen Kurzbezeichnungen aufgeführt. Ein Übersetzungsschlüssel findet sich jeweils auf der Rückseite des Befundberichtes.
Dr. med. Paul Nemes Dr. med. Dipl.-Biol. Michael Kux Dr. med. Roland Geisel Dr. med. Ileana Herzum